Warum in die Ferne fahren, wenn das Gute doch so nahe liegt

Reise zu Riesling und Renaissance

Burgruine Scharfenstein, Foto: Mohegan / pixelio.de

Burgruine Scharfenstein, Foto: Mohegan / pixelio.de

Gräfenberg, Klosterberg, Sandgrub und Turmberg sind von Kennern geschätzte Weinlagen rund um das Weindorf Kiedrich. Das Wahrzeichen des Ortes ist die Burgruine Scharfenstein, die mitten in den Weinbergen liegt. Die Burg wurde um 1160 erbaut, aber das Dorf ist noch älter! Kiedrich ist im Jahre 954 erstmals urkundlich erwähnt, vor mehr als 1.000 Jahren. Von der Burg ist seit dem 16. Jahrhundert nur der Bergfried noch erhalten – auch im Wappen der Gemeinde. Ein ganz junges Wahrzeichen ist der beliebte „Weinberg der Ehe“. Alle Paare, die vor dem Standesamt Kiedrich heiraten, erhalten symbolisch einen Rebstock mit Urkunde geschenkt. Inzwischen sind es schon mehr als 1500 Ehepaare, die sich alle zwei Jahre hier treffen, um Wein aus dem eigenen Weinberg zu trinken. Wer dafür nicht heiraten möchte, kann auch zum Rieslingfest kommen, das jedes Jahr im Juni gefeiert wird. Und bis heute sind auch fromme Wallfahrer willkommen! Immerhin waren es Mönche, die den Weinbau hier im Rheingau einst verbreiteten.

Kein Krieg, kein Brand

Kiedrich hatte Glück! So ist der historische Ortskern mit den Fachwerkhäusern um den Marktplatz komplett erhalten. Denkmalpflege wird hier groß geschrieben. Stolz präsentiert sich das Rathaus aus dem Jahre 1585 mit den Renaissance-Erkern gegenüber der ehrwürdigen Wallfahrtskirche St. Valentin. Die Basilika ist um 1300 erbaut und bis 1493 erweitert. Das Inventar aus der Zeit ist fast vollständig, deshalb trägt Kiedrich stolz das Prädikat „Schatzkästlein der Gotik“ Die älteste noch spielbare Orgel Deutschlands (um 1500) mit ihren ca.960 Pfeifen ist ebenso erhalten, wie die liebliche Kiedricher Madonna (um 1330/50) und das handgeschnitzte Gestühl aus dem 16. Jahrhundert. Sonntags um 9.30 Uhr findet das Choralhochamt mit den Kiedricher Chorbuben statt. Der berühmte Stiftschor, der auf 600 Jahre Tradition zurückblickt und den gregorianischen Gesang (Alt-Mainzer-Choral) germanischer Prägung pflegt, singt bis heute nach „Hufnagelnoten“ – einzigartig auf der Welt!

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